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  • Joachim Tatje

Sprachmüll

Vor kurzem wurde bekannt, dass ein (leider) gestiegener Anteil der Fünfklässler nicht in der Lage ist, deutsche Texte sinnerfassend zu lesen. Wenn diese Menschen zehn Jahre älter sind, gehören Sie bereits zu einer begehrten Zielgruppe der Industrie. Es verwundert mich ein wenig, dass die Marketiers immer noch oder sogar vermehrt zu englischen Sprüchen greifen, um ihre Zielpersonen zu ködern. Es ist wohl so, dass auch in Zeiten eines Donald Trumps, in denen die Amerikaliebe deutlich abgekühlt ist, von der englischen Sprache eine große Faszination ausgeht.

Die Frauenzeitschrift BRIGITTE lädt beispielsweise junge Frauen zu einem „Life-Work-Summit“ unter dem Motto „Know yourself, be inspired, connect“ ein. Die so eingeladenen Frauen fühlen sich als potenzielle Besucherinnen eines „Gipfeltreffens“ sicher besonders umschwärmt. Alle die, die keine Einladung nach Davos erhalten hatten, bekommen jetzt doch noch eine Chance, an einem richtigen Gipfeltreffen teilzunehmen.

Die Zielgruppe der 20- bis 30-jährigen wird auch von BMW dem Zeitgeist entsprechend mit „The 1“ angesprochen. Gemeint sind die Fahrzeuge der 1er Modellreihe. Ford bewirbt den neuen Kuga Plug-in-Hybrid mit dem Spruch: „Charging the future of business“. In der gleichen Altersgruppe findet man auch viele Freunde des Kräuterlikörs Jägermeister. Diese werden mit „Be the Meister“ geködert. Und falls Sie nachts keine Ruhe finden, greifen Sie vielleicht schon mal zu einem Kräutertee von Sonnentor. Denn der Werbespruch auf der Packung: „Happiness is DURCHSCHLAFEN“ wirkt sicher sehr überzeugend.


Die Arrivierten, die sich bereits von ihrem alten IKEA-Sofa trennen wollen, werden von Rolf Benz umschwärmt. Dort heißt es im besten Denglish: „nothing but wunderbar“.


Meine erste Reaktion ist, viele dieser Werbestrategen sind durchgeknallt!

Sie leben in einer kulturellen Blase und haben den Bezug zu den „Normalos“ verloren. Oder glauben Sie, dass den vorgenannten sprachlichen Preziosen gründliche Analysen und Pre-Tests vorangegangen waren? Die Mischung von Deutsch und Englisch soll vermutlich locker, „cool“ wirken. Ich finde sie nur albern.

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